Freitag, 15. November 2019

Ich habe mir den Rücken verzerrt. Eigentlich wollte ich, dass er beweglicher wird, danach konnte ich mich nicht mehr bewegen. Gestern habe ich es mit yogischen Sonnengrüßen versucht, heute auf einen Ball gelegt – so einen schicken, kleinen Jonglierball aus Gummi – anschließend habe ich mich rückwärts an die Stange gestellt, festgehalten und mich wie ein Tintenfisch, der in Salzwasser eingelegt wird, in alle Richtungen gewunden. Jetzt ist es besser, nur rund bekomme ich ihn noch nicht wieder.

Montag, 17. Juni 2019

Wir liefen über das Stadtfest, eher ein Flussfest, denn es handelt sich um ein Fest am Fluss.

Erst liefen wir an dem Flohmarkt vorbei, dann kamen die Stände. Freiwillige Feuerwehr, Musikschule und eine evangelische Kirche. Drei Frauen standen umarmt im Kreis und murmelten irgendwas. Die beschwören gerade den Teufel sage ich und dann öffnet sich in ihrer Mitte ein schwarzes Loch, reißt eine Lücke ins Raum-Zeit-Kontinuum und dann ist das Monster in dieser Welt nicht mehr aufzuhalten. Wir gehen weiter.

Kinder spielen High Hopes nach, zwei kleine Mädchen grölen den Text ins Mikro und haben offensichtlich größten Spaß dabei, jemand spielt Akkorde nach dem Zufallsprinzip auf einem Keyboard, zwischen ihnen ein junger Mann mit Bass, der wohl der Musikschullehrer ist. Ich bleibe wie gebannt stehen und höre dem absurden Lärm zu.

An der nächsten Brücke treffen wir eine Freundin, deren Ex-Freund mit seiner Band auftritt. Es spielt vorher noch eine andere Band. Die Bandmitglieder um die 50. Die Sängerin kann nicht singen. Ich habe Angst, dass der Ex-Freund mich irgendwann fragt, wie ich seine Band fand.

Montag, 15. April 2019

Gestern waren wir in der neuen Kunsthalle in Mannheim. Mir war teilweise zu viel Text und Information an den Wänden. Teilweise wirkten die Bilder als würden Sie Information nur illustrieren. Sicher, die Information ist interessant und wichtig, aber Bilder brauchen Raum oder besser gesagt, ich brauche Platz und Ruhe, mir reichen schlichte, weiße Räume mit Bildern drinnen. Die Information kann man von mir aus irgendwo gesondert hinpacken. Mir reichten auch die handkopierten A4-Blätter. Vor allem, wenn ich mehrmals ins Museum gehe, dann reicht mir die Information einmal und danach will ich nur in Ruhe Bilder angucken.
Anfangs fand ich das mit dem an die Wand geklebten Text ganz nett, mittlerweile stehen da halbe Romane. Wenn die Typografie stimmt, ist es ja noch O.K., aber: verzerrte Buchstaben, Text auf Deutsch in Versalien, darunter in Englisch in Minuskeln ...
Ich klinge wie ein grumpy old man, aber das Ganze hinterlässt einfach einen merkwürdigen Eindruck.
Mal im Ernst, geht es hier hauptsächlich um Kunst oder um Stadt-Marketing?
Ich habe ja nichts dagegen, das so aufzuziehen, wenn es auf der Website oder im Katalog so gestaltet ist, aber das Museum als Ort und Architektur finde ich nicht gelungen.
Und wo sind eigentlich die Fotografien geblieben?

Mittwoch, 13. Februar 2019

Ich hatte noch etwas Zeit, also stieg ich in der Stadt aus und lief zum Schreibwarengeschäft. Ich wollte mir einen Füller kaufen, einen einfachen, keinen Schulfüller, aber auch keinen, den man nur in mahagonigetäfelten Zimmern benutzen kann. Schlicht, günstig, gut.

Kaum betrete ich den Laden, werde ich von den flankierenden Damen und einem jungen Mann begrüßt und gefragt, ob ich etwas Bestimmtes suche. Ich blicke nach unten und sehe nach, ob ich nicht zufällig auf einen roten Teppich getreten bin.

Wolan, rufe ich, während ich den rechten Arm schwinge, ich suche ein passendes Schreibgerät für Edelfedern!

Ich suche einen Füller, sage ich, schlicht und schön, keinen Schulfüller. Ich lasse meine Blick wandern. Ich greife zu einem Schulfüller und werde sogleich korrigiert. Man hält mir einen Füller in Schwarz hin. Ich teste ihn und bin zufrieden.

Haben Sie den noch in anderen Farben, frage ich.

Der junge Mann hält mir einen Perlmuttfarbenen und einen in Zartrosa hin. Die sind eher für Mädchen, sagt er, der Schwarze ist männlicher, der passt besser zu ihnen.

Ich nehme den in Perlmutt, sage ich, der ist sehr schön, Danke.

Er rät mir von schwarzer Tinte ab, die Partikel würden die Feder schneller verstopfen. Diese Information finde ich sehr interessant, ich bedanke mich bei ihm und nehme die blauen Patronen.

Ist ein feiner Füller und ich bin sehr zufrieden. Man kann mit ihm ganz wundervolle, männliche Texte schreiben, voller Gewalt und Brutalität.

Montag, 7. Januar 2019

Streben manche Menschen mit zunehmenden Alter absichtlich nach Süffisanz oder fällt ihnen einfach nur nichts Besseres ein?

Sie blicken auf die Gesellschaft, glauben zu erkennen und sehen keine Menschen mehr, haben sie vielleicht nie gesehen, wurden selbst nie so gesehen, haben sich selbst nie so betrachtet.

Mittwoch, 14. November 2018

Die Kassierin flötet mich an, jung, groß, attraktiv, forsch. Ich mag ihre Art. Ob ich Paypal hätte. Nein, sage ich. Warum nicht? Ich bekomme Provision, wenn Sie Paypal nehmen. Entwaffnende Offenheit. Ich bin baff, ich möchte nicht und versuche ihr klar zu machen, dass Paypal die größte Datensammlerin unter dem Himmel ist. Irgendwie muss ich mich doch verteidigen, habe ich den Eindruck.

Das Kind an meiner Seite sagt hinterher, ich sei unfreundlich gewesen.

Ich muss einen Weg finden, zu lächeln und freundlich zu sagen: Das ist sehr nett und Sie meinen es sicher gut, aber ich möchte nicht. Danke.

Das übe ich jetzt zwanzigmal vor dem Spiegel.

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