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Mittwoch, 6. Juni 2018
Montag, 7. Mai 2018

Schnellstmögliche Korrektur

Telefonbaum geht schneller als -kette, das sehe ich ein, die Wahrscheinlichkeit, alle zu erreichen erhöhe ich dadurch nicht. Liste geht schneller, wenn man von unten und oben anfängt und in der Mitte einen Strich zieht.

Jedenfalls erstellt jemand ein Elternteil aus der Klasse in seiner Freizeit für alle einen Telefonbaum, den er als PDF per Mail rumschickt. Schick ist er gewordern, sehr sauber, sehr übersichtlich. Viel Gestaltungsarbeit, eine Liste wäre schneller erledigt.

Am nächsten Tag kommt eine Antwort per Mail: "Wir tauchen gar nicht auf dem Telefonbaum auf, wir bitten um schnellstmögliche Korrektur ... manche haben sich das eventuell ausgedruckt und die erste falsche Version schon aufgehängt."

Ohgott, denke ich, womöglich schon ausgedruckt! Und eventuell sogar aufgehängt!!! Das kriegt man ja nicht mehr ab von der Tapete!!!

Ich habe es mir verkniffen, zurückzuschreiben, dass ich den Telefonbaum beim Steinmetz leider schon in Auftrag gegeben habe.

Überhaupt, was für eine unfassbar unmögliche, unhöfliche, hysterische Art zu Antworten.

"Hallo, vielen Dank für die Arbeit, kleiner Hinweis: Wir sind nicht in der Liste mit dabei.". Name, Telefonnummer.

Helikoptereltern. Harmlos, schlimm sind die, die oben vom Helikopter mit einem Megaphon ununterbrochen Befehle geben, und nicht nur den Kindern, sondern auch noch deren Freunden und Eltern, quasi der ganzen Welt, weil die ja gar nicht alleine kann und alles falsch machen würde.

Polizeihubschraubereltern.

Fortbewegung

Deutschland. Diese Subkultur aus hässlich, ängstlich, wütend, die ist neu. Hässlich und wütend hat sich damals noch im im Punk formuliert. Das mit der Angst macht den Cocktail zum gefährlichen Gebräu. Dann gibt es noch diese Tendenz, alles untendrunter brodeln zu lassen und nach außen eine tumbe, dämliche Hülle zu präsentieren. Das ist ein ganz merkwürdiges Menschenmodell. Ganz neue Form von Halbaffentum, die ihre Emotionen und Bewegungen über's Auto ausleben. Manche sogar schon über das Fahrrad. "Die Lebenskunst hat mehr mit Ringkampf als mit Tanz zu tun" hat Marc Aurel gesagt. Das mag für die Art und Weise, wie man miteinander umgeht, gelten, nur voran kommt man damit nicht, sondern bewegt sich immer nur im Ring.

Die Frage, wie wir uns zu Fuß in eine Richtung bewegen, das ist die Grundfrage, der man sich stellen muss. Es gibt noch andere Antworten auf diese Frage als Marathon und Wandern. Anworten, die uns mehr zur Art und Weise führen. "Der Weg ist das Ziel" bleibt ein kluger Satz. Die Art und Weise, wie man den Weg geht, gehört dazu.

Spitzer

Falls ich mal wieder was zu Spitzer brauche.

"Auch Markus Appel, Professor für Medienkommunikation in Würzburg, war beeindruckt. Zumindest auf den ersten Blick. Vor einigen Jahren, Spitzer hatte gerade "Digitale Demenz" veröffentlicht, sah Appel ihn in einer Talkshow. "Ich dachte, erstaunlich, was er da sagt. Diese Radikalität, diese Rhetorik." Nur: Appel hatte die Studienergebnisse, die Spitzer im Fernsehen zitierte, ganz anders in Erinnerung. Er besorgte sich Spitzers Buch und begann es gemeinsam mit einer Kollegin zu überprüfen. Satz für Satz, Fußnote für Fußnote.

Anfang 2014 veröffentlichten der Medienprofessor und seine Kollegin Constanze Schreiner ihren zehnseitigen Befund in der Psychologischen Rundschau. Eine Ohrfeige für Spitzer: Nach Abgleich mit Dutzenden Meta-Analysen fänden sich "keine Belege" für die meisten von Spitzers Thesen. Sie werden in dem Papier "Mythen" genannt."

Quelle

Ja, das ist der Punkt.

Und Zielgruppe: "Es sind freundliche Damen und Herren um die 60, drei pensionierte Lehrerinnen tragen das neue Buch des Professors unter dem Arm."

Donnerstag, 19. April 2018

Vernünftige Unfreiheit

Künstlerischen Freiheit für Songtexte, die sich alles rausnehmen, fand ich schon immer absurd. Texte haben Grenzen und ihnen ist nicht alles erlaubt ist, nicht alle Texte sind Kunst.

Mein einziger Leserbrief ging 1984 an eine Musikzeitschrift mit dem Inhalt, dass man Musiker nicht immer gleich Künstler nennen sollte. Ich war damals der Meinung, dass Einstürzende Neubauten Kunst seien und Sting nicht. Andere sahen das genau anders herum. Noch heute bin ich ein großer Verehrer der Einstürzenden Neubauten, aber dass sie für mich Kunst sind, ist meine persönliche Freiheit, keine künstlerische.

Überhaupt habe ich irgendwann das Wort "Kunst" aus meinem Wortschatz gestrichen, habe mich mehr mit dem Handwerk beschäftigt, den Formen und Dingen. Musik bekam dadurch eine ganz andere Bedeutung, ebenso Lyrik, Dichtung und Tanz. Es erweckte sie zum Leben, anstatt allem einfach bloß ein Label anzukleben (auf dem "Kunst" steht).

Heute ist Kunst nur noch ein Markt, auf dem das als Kunst gilt, was verkauft wird. Fraglich, ob das jemals anders war.

Wenn wir aber das Gefühl haben, dass es Kunst gibt, dann könnte man wieder auf den richtigen Weg kommen, müsste sich aber mit diesem Gefühl beschäftigen, nicht mit dem Begriff.

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