Montag, 15. April 2019

Hin- und hergerissen

Gestern waren wir in der neuen Kunsthalle in Mannheim. Mir war teilweise zu viel Text und Information an den Wänden. Teilweise wirkten die Bilder als würden Sie Information nur illustrieren. Sicher, die Information ist interessant und wichtig, aber Bilder brauchen Raum oder besser gesagt, ich brauche Platz und Ruhe, mir reichen schlichte, weiße Räume mit Bildern drinnen. Die Information kann man von mir aus irgendwo gesondert hinpacken. Mir reichten auch die handkopierten A4-Blätter. Vor allem, wenn ich mehrmals ins Museum gehe, dann reicht mir die Information einmal und danach will ich nur in Ruhe Bilder angucken.
Anfangs fand ich das mit dem an die Wand geklebten Text ganz nett, mittlerweile stehen da halbe Romane. Wenn die Typografie stimmt, ist es ja noch O.K., aber: verzerrte Buchstaben, Text auf Deutsch in Versalien, darunter in Englisch in Minuskeln ...
Ich klinge wie ein grumpy old man, aber das Ganze hinterlässt einfach einen merkwürdigen Eindruck.
Mal im Ernst, geht es hier hauptsächlich um Kunst oder um Stadt-Marketing?
Ich habe ja nichts dagegen, das so aufzuziehen, wenn es auf der Website oder im Katalog so gestaltet ist, aber das Museum als Ort und Architektur finde ich nicht gelungen.
Und wo sind eigentlich die Fotografien geblieben?

Mittwoch, 13. Februar 2019

Ich hatte noch etwas Zeit, also stieg ich in der Stadt aus und lief zum Schreibwarengeschäft. Ich wollte mir einen Füller kaufen, einen einfachen, keinen Schulfüller, aber auch keinen, den man nur in mahagonigetäfelten Zimmern benutzen kann. Schlicht, günstig, gut.

Kaum betrete ich den Laden, werde ich von den flankierenden Damen und einem jungen Mann begrüßt und gefragt, ob ich etwas Bestimmtes suche. Ich blicke nach unten und sehe nach, ob ich nicht zufällig auf einen roten Teppich getreten bin.

Wolan, rufe ich, während ich den rechten Arm schwinge, ich suche ein passendes Schreibgerät für Edelfedern!

Ich suche einen Füller, sage ich, schlicht und schön, keinen Schulfüller. Ich lasse meine Blick wandern. Ich greife zu einem Schulfüller und werde sogleich korrigiert. Man hält mir einen Füller in Schwarz hin. Ich teste ihn und bin zufrieden.

Haben Sie den noch in anderen Farben, frage ich.

Der junge Mann hält mir einen Perlmuttfarbenen und einen in Zartrosa hin. Die sind eher für Mädchen, sagt er, der Schwarze ist männlicher, der passt besser zu ihnen.

Ich nehme den in Perlmutt, sage ich, der ist sehr schön, Danke.

Er rät mir von schwarzer Tinte ab, die Partikel würden die Feder schneller verstopfen. Diese Information finde ich sehr interessant, ich bedanke mich bei ihm und nehme die blauen Patronen.

Ist ein feiner Füller und ich bin sehr zufrieden. Man kann mit ihm ganz wundervolle, männliche Texte schreiben, voller Gewalt und Brutalität.

Montag, 7. Januar 2019

Streben manche Menschen mit zunehmenden Alter absichtlich nach Süffisanz oder fällt ihnen einfach nur nichts Besseres ein?

Sie blicken auf die Gesellschaft, glauben zu erkennen und sehen keine Menschen mehr, haben sie vielleicht nie gesehen, wurden selbst nie so gesehen, haben sich selbst nie so betrachtet.

Mittwoch, 14. November 2018

Die Kassierin flötet mich an, jung, groß, attraktiv, forsch. Ich mag ihre Art. Ob ich Paypal hätte. Nein, sage ich. Warum nicht? Ich bekomme Provision, wenn Sie Paypal nehmen. Entwaffnende Offenheit. Ich bin baff, ich möchte nicht und versuche ihr klar zu machen, dass Paypal die größte Datensammlerin unter dem Himmel ist. Irgendwie muss ich mich doch verteidigen, habe ich den Eindruck.

Das Kind an meiner Seite sagt hinterher, ich sei unfreundlich gewesen.

Ich muss einen Weg finden, zu lächeln und freundlich zu sagen: Das ist sehr nett und Sie meinen es sicher gut, aber ich möchte nicht. Danke.

Das übe ich jetzt zwanzigmal vor dem Spiegel.

Dienstag, 16. Oktober 2018

Spex wird eingestellt. In den 90er habe ich es oft gelesen. Vieles war überheblich, manches aber auch leidenschaftlich und vor allem eine Informationsquelle, die ich sonst nicht hatte.

Heute lese ich Daily Bandcamp und stöber dort herum und ich höre mir an, was bleep.com veröffentlicht. RCRD LBL habe ich sehr gemocht, aber die haben leider aufgehört.

Ich wäre sehr interessiert an einem guten Musikmagazin.

Update: Spex macht online weiter und ich habe es abonniert.

Montag, 10. September 2018

Das Stadtfest, auf dem wir gestern waren, war fürchterlich, laut, voll, schlechte Musik.

Immerhin habe ich eine alte Auflage von Der Adept des Assassinen vom Flohmarkt mitgenommen.

Sehr traurig auch der Anblick der parkenden Autos auf der schönen großen Wiese, auf der man normalerweise picknickt und spielt.

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