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Donnerstag, 19. April 2018

Vernünftige Unfreiheit

Künstlerischen Freiheit für Songtexte, die sich alles rausnehmen, fand ich schon immer absurd. Texte haben Grenzen und ihnen ist nicht alles erlaubt ist, nicht alle Texte sind Kunst.

Mein einziger Leserbrief ging 1984 an eine Musikzeitschrift mit dem Inhalt, dass man Musiker nicht immer gleich Künstler nennen sollte. Ich war damals der Meinung, dass Einstürzende Neubauten Kunst seien und Sting nicht. Andere sahen das genau anders herum. Noch heute bin ich ein großer Verehrer der Einstürzenden Neubauten, aber dass sie für mich Kunst sind, ist meine persönliche Freiheit, keine künstlerische.

Überhaupt habe ich irgendwann das Wort "Kunst" aus meinem Wortschatz gestrichen, habe mich mehr mit dem Handwerk beschäftigt, den Formen und Dingen. Musik bekam dadurch eine ganz andere Bedeutung, ebenso Lyrik, Dichtung und Tanz. Es erweckte sie zum Leben, anstatt allem einfach bloß ein Label anzukleben (auf dem "Kunst" steht).

Heute ist Kunst nur noch ein Markt, auf dem das als Kunst gilt, was verkauft wird. Fraglich, ob das jemals anders war.

Wenn wir aber das Gefühl haben, dass es Kunst gibt, dann könnte man wieder auf den richtigen Weg kommen, müsste sich aber mit diesem Gefühl beschäftigen, nicht mit dem Begriff.

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